Blues-Boom: Memphis Minnie

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Blues-Boom: Memphis Minnie

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Man kann nicht über die Lichtgestalten des Blues sprechen, ohne Memphis Minnie zu erwähnen. Sie war eine äußerst produktive, schonungslos ehrliche Musikerin und eine wahrhaft unaffektierte Person. Homesick James sagte: „Sie kaute permanent Tabak, auch wenn sie sang oder Gitarre spielte, und sie hatte immer einen Becher bei sich, um ihn ausspucken zu können“. Sie hatte außerdem ein hartes Leben, das sie gekonnt in ihre Musik fließen ließ.

1897 als Lizzie Douglas in Louisiana geboren, floh sie als Teenager nach Memphis, wo sie an Straßenecken Gitarre spielte und sang und ihr Einkommen mit Prostitution aufbesserte, wenn es nicht anders ging. Von 1916 bis 1920 tourte sie mit dem Ringling Brothers Circus durch die Südstaaten, doch erst als sie 1929 begann, mit ihrem ersten Ehemann Joe McCoy aufzutreten, kam ihre Karriere in Schwung. Columbia Records nahm die beiden unter Vertrag und verpasste ihnen die Künstlernamen Kansas Joe und Memphis Minnie, woraufhin sie bis zu ihrer Scheidung 1935 als Duo auftraten. Minnie hatte sich da aber schon so gut in der Szene etabliert, dass sie problemlos auch alleine bestehen konnte. Sie begann, mit verschiedenen Stilrichtungen zu experimentieren.


Memphis Minnie war 32, als sie ihre ersten Aufnahmen mit McCoy machte, eine Zeitgenossin von Tommy Johnson und ein paar Jahre älter als Son House und Skip James. Über 20 Jahre später, als all diese Männer größtenteils in Vergessenheit geraten waren, zog sie in den Clubs immer noch ihr Publikum an und machte Platten. Keine andere Musikerin und nur wenige männliche Kollegen hatten je eine vergleichbare Karriere im Blues.


Wie ihr das gelang, dokumentiertdie Compilation KEEP ON GOING: 1930–1953 von 2016: mit den komplexen Gitarrenduetten der frühen 30er an der Seite von McCoy, den Stücken mit kleinen Bands später in jener Dekade sowie mit elektrifizierenden Aufnahmen mit dem zweiten Ehemann Ernest „Little Son Joe“ Lawlars von 1941 (etwa ihr Hit ›Me And My Chauffeur Blues‹) sowie mit der nach wie vor energischen Musik, die sie in den 50ern aufnahm, darunter Tracks wie ›Kissing In The Dark‹ und ›Broken Heart‹.


Minnie war sehr anpassungsfähig. Big Bill Broonzy erinnerte sich daran, wie er ihr 1933 in einem „harten Wettbewerb“ in einem Nachclub in Chicago unterlag und gestand, dass sie „so gut wie jeder Mann, den ich je gehört habe, Gitarre spielen und singen“ konnte. Und genau wie er bemerkte sie, wie sich der Klang und die Themen des Blues mit den Zeiten veränderten, und hielt damit Schritt. Johnson, House und James gehörten zu den Großen, doch diese Art der musikalischen Weiterentwicklung überstieg selbst ihre Fähigkeiten.


In den 60ern konnte Memphis Minnie vom neu erwachten Interesse der jungen Generation am Blues profitieren, und diese honorierte, dass sie die unverzichtbaren Fundamente des Genres gelegt hatte. 1971 schließlich coverten Led Zeppelin ihren Song ›When The Levee Breaks‹. Ihre Version mag wuchtiger und energischer gewesen sein, nicht zuletzt dank John Bonhams gigantischem Schlagzeugsound, doch der erdige Hoodoo im Kern war einzig und allein Minnies Werk.


Killer-Track: ›Bumble Bee‹

Texte in dieser Serie: Marcel Anders, Geoff Barton, Max Bell, Mark Blake, Joe Bosso, Jamie Dickson, Paul Elliott, Hugh Fielder, Polly Glass, Siân Llewellyn, Joel McIver, Ed Mitchell,
Tony Russell, Johnny Sharp, Mick Wall, Henry Yates

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