Rückblende: Stone Temple Pilots mit ›Interstate Love Song‹

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Rückblende: Stone Temple Pilots mit ›Interstate Love Song‹

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Am Anfang stand eine Bossanova-Nummer. Ergänzt um ein Country-Riff und einen Text über Lügen und Täuschungen, wurde daraus eine Hitsingle vom Multiplatinseller PURPLE.

Im Frühling 1994 hatte sich CORE, das Debütalbum der Stone Temple Pilots, schon vier Millionen Mal verkauft. Dennoch wurden sie als die Erz-Opportunisten der Grunge-Szene verspottet, als Trittbrettfahrer, die einen Platz neben den Seattle-Größen für sich beanspruchten, obwohl sie aus San Diego stammten. In den Augen ihrer Gegner – und davon gab es viele – war das alles viel zu gewollt. Die Band versuchte, das Beste daraus zu machen, doch von den Lesern des „Rolling Stone“ zur besten und gleichzeitig von den Kritikern desselben Magazins zur schlechtesten neuen Band 1994 gewählt zu werden, musste zumindest verwirrend sein.

Auf ihrer 14-monatigen Tournee zu CORE hatten die Stone Temple Pilots unterdessen eine Reihe noch vielfältigerer und einfallsreicherer Songs geschrieben. So gute Songs, dass sie sich sicher waren, ein derart großes und wichtiges zweites Album abzuliefern, dass sie sich damit aus der „Grunge“-Schublade befreien würden – wobei natürlich niemand wissen konnte, dass sich zwei Monate vor dessen Erscheinen Kurt Cobain das Hirn wegpusten und somit diese gesamte Ära ein für alle Mal beenden würde.


„Die Leute reden manchmal über den Fluch des Durchhängers beim zweiten Album, aber das kratzte uns überhaupt nicht“, sagt Bassist Robert DeLeo ganz lässig über den Zweitling PURPLE . „Wir wussten, dass diese Songs, die wir da hatten, etwas ziemlich Besonderes waren.“ Einen davon hatte er komponiert, während er auf dem Beifahrersitz des Winnebago -Wohnmobils saß, in dem die Band kreuz und quer durch ganz Nordamerika fuhr. Ein passender Urspr ung, denn der ›Interstate Love Song‹ wurde zur perfekten Begleitung zu diesen Fahrten mit heruntergekurbeltem Fenster. „Ich schrieb das auf einer 25 – Dollar-Gitarre mit Nylonsaiten “ , sagt DeLeo kichernd . „Heute habe ich eine 125-Dollar-Gitarre mit Nylonsaiten“, fügt er hinzu und holt das besagte Instrument hervor, um das bekannte Riff des Songs in seiner ursprünglichen Form zu spielen . „Das fing als Bossanova-Nummer an, aber ich dachte, das würden wahrscheinlich nicht so viele Leute mögen, also fügte ich ein Country-Riff und eine Melodie hinzu, die ich schon eine Wei le im Kopf gehabt hatte.“

Der gesamte Prozess dauerte „etwa zehn Minuten“ , doch DeLeo wusste sofort, dass er da etwas von großem Wert erschaffen hatte. „Das war ein neues Level des Songwritings für mich.“ Bei den Aufnahmen des Stücks für PURPLE fiel Frontmann Scott Weiland noch das „Interstate“ für den Titel ein. Während die Band bei Southern Tracks Recording in Atlanta arbeitete, blieb seine Verlobte Janina Castaneda zuhause in Kalifornien. Ihre Beziehung war aufgrund der geheimen, aber eskalierenden Heroinsucht des Sängers ins Wanken geraten, und der Text, der ihm zu dem Song einfiel, erzählte von Lügen und gebrochenen Versprechen. Jeden Abend begrub er seine Scham, rief Castaneda an und beharrte darauf, clean zu sein.

„In dem Text geht es um die Lügen, die ich zu verbergen versuchte, während wir PURPLE machten“, gab er später zu . „Die Bedeut ung war nicht unmittelbar offensichtlich, aber wenn man weiß, worum es geht, ist es ein sehr poetisches Stück“, sagt DeLeo heute. „Als Texter war Scott immer ein echter Poet. Und er ließ den Hörer gerne seine eigenen Interpretationen für die Bedeutung seiner Worte finden.“

Wie schon bei CORE vertrauten die Stone Temple Pilots auch bei PURPLE wieder auf die Dienste von Brendan O’Brien als Produzent. „Wir vertrauten Brian absolut und der Prozess fühlte sich sehr natürlich an“, erinnert sich DeLeo. „Es ist ziemlich unglaublich, dass PURPLE in nur elf Tagen aufgenommen, abgemischt und fertiggestellt wurde.“ In einem Interview aus jener Zeit sagte Schlagzeuger Eric Kretz: „Manchmal waren wir besorgt, dass ein Song vielleicht zu sehr nach Alice In Chains oder Pearl Jam klang, und Brendan überzeugte uns dann jedes Mal vom Gegenteil.“ „Brendan grübelte nie viel über irgendetwas. Er packte die Sachen einfach an“, stimmt DeLeo zu. „Es war eine Ehre, mit ihm Platten zu machen, und wir versuchten auf keinen Fall, irgendjemanden nachzuahmen.“

25 Jahre später entlocken die oft geschriebenen Anschuldigungen, seine Band sei nur ein Haufen Pearl-Jam-Kopisten, dem Bassisten nur noch ein krummes Lächeln. „Derar tige Kritik hat mich nie wirklich berührt“, sagt er geduldig. „Wir arbeiteten mit Leuten von Brendans Kaliber, das waren die Meinungen, die mir wichtig waren. Alles außer dem Schreiben und Spielen der Songs war irrelevant.“ PURPLE wurde jedoch auch aufgrund des Erfolgs von ›Interstate Love Song‹ und der weiteren Singles ›Vasoline‹ und ›Big Empty‹ zu einem Bestseller, stand drei Wochen an der Spitze der US-Albumcharts und verkaufte sich über sechs Millionen Mal.

DeLeo gesteht, dass der über Nacht eingetretene Ruhm zum Problem wurde: „Ich kenne nicht viele, die mit dieser Art von Aufmerksamkeit in dieser Geschwindigkeit klarkommen würden. Wir gingen alle anders damit um, aber man kann auf jeden Fall sagen, dass sowas tödlich sein kann“. Und so kam es dann auch. Über die folgenden Jahre ging Weiland bei der Band und in Entzugskliniken ein und aus. 2015
wurde er schließlich während einer Tour mit seiner Band The Wildabouts im Alter von 48 Jahren nach einer unabsichtlichen Überdosis von einem Mix aus Kokain, Alkohol und MDA tot im Tourbus aufgefunden.

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