Tommy Bolin: Der Unvollendete (1951-1976)

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Tommy Bolin: Der Unvollendete (1951-1976)

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Als Songwriter, Gitarrist und Sänger war Tommy Bolin mit reichlich Talent gesegnet. Doch vor langer Zeit schon checkte er leider in den Rock‘n‘Roll-Himmel ein, was seinen „nasty habits“ geschuldet war.

Mal ehrlich: Das Recht auf Rausch ist ja schön und gut, doch wenn man sich vor Augen führt, wer der Musikwelt so alles abhanden kam, weil aus dem Recht ein Zwang wurde, dann kann man nur noch heulen. Etwa Tommy Bolin. Er stammte aus der US-Provinz, geboren (am 01. August) und aufgewachsen in Sioux City, Iowa, bevor er in Boulder, Colorado, eine Karriere als Profimusiker anstrebte.

Mit 18 Jahren nahm er das Debütalbum seiner Band Zephyr auf, dem zwar wenig Erfolg beschieden war, das jedoch etablierte Musikerkollegen aufhorchen ließ: Wer war dieser Gitarrist, der elegant solierend die Grenzen zwischen Blues, Rock und Jazz überschritt und noch dazu als Co-Autor in Erscheinung trat? Joe Walsh, gerade mit seinem neuen Projekt Barnstorm beschäftigt und zukünftiger Gitarrist der Eagles, empfahl ihn seiner ehemaligen Band James Gang, mit der Bo­­lin zwei Alben aufnehmen sollte. Und Billy Cobham, Schlagzeug-Maestro im noch neuen Fusion-Metier, engagierte ihn für seinen Meilenstein in spe SPECTRUM.

Bolin nahm jede Chance wahr, wohlwollend formuliert. Weniger positiv ausgedrückt: Er war ein rastloser Charakter, den es nirgend­­wo lange hielt. Zwischen Zephyr und der James Gang hatte er noch die eigene Formation Energy am Start, später nahm er ein Album mit der kanadischen Proto-Metal-Band Moxy auf – und mit dem Jazz-Schlagzeuger Alphonse Mouzon.

1975 schien er endlich das große Los ge­­zogen zu haben: Deep Purple, von Ritchie Blackmore jäh verlassen, entschieden sich für den jungen Amerikaner als Ersatzmann. Aus guten Gründen: Mit dem Zugang von David Coverdale und Glenn Hughes hatte die Band ihren Stil verändert, weg vom reinen Hard-Rock, hin zu mehr Funk und Soul. Bolin, vielseitig begabt, schien die richtige Wahl. Und noch etwas dürfte ausschlaggebend gewesen sein: Auf eine allzu selbstbewusste Diva der Sorte Blackmore hatten Deep Purple keine Lust. Bolin war erst 24 Jahre alt, schien also „formbar“ – und zu allem bereit. Über das Ergebnis, das 1975 in München aufgenommene COME TASTE THE BAND, kann man bis heute trefflich streiten: Die einen mosern, es sei kein „richtiges“ Purple-Album, die anderen rühmen einen Soul-Rocker wie ›You Keep On Moving‹. Fakt ist: Nach der Tour zum Al­­bum brachen Deep Purple auseinander. Zuvor hatte Bolin noch sein beachtliches Solo-Debüt TEASER veröffentlicht, nach dem Split erschien der Nachfolger PRIVATE EYES. Alben, die Bolins Vielseitigkeit als Komponist und Gitarrist auf den Punkt brachten – und auch als Sänger machte er eine gute Figur.

Am 3. Dezember 1976 war er als Support-Act für Jeff Beck engagiert, es schien wieder aufwärts zu gehen. Stunden später war er tot. Gestorben an einer Mixtur aus Heroin, Kokain, Barbituraten und Alkohol. Er wurde nur 25 Jahre alt.

3 Kommentare

  1. Tommy Bolin mag zwar ein guter Gitarrist sein, aber zu Deep Purple hat er meiner Meinung nach, nie gepasst.
    Ausserdem wurde bei „Come taste the Band“ der Stil Deep Purples extrem verwässert. Kein Wunder, dass Ritchie Blackmore mit dem Funk und Soulgedudel keine Freude hatte.

  2. Sehr guter Artikel, denn T. B wird zu wenig gewürdigt. Endlich wurde mal deutlich gemacht, was für ein klasse Mukker er war. You keep on moving gehört für mich zu den besseren Songs von Deep Purple, denn das eintönige gedudel von Blackmore wurde langsam nervig, zudem hielt er sich selbst auch noch für den Größten, was 1. auf keinen Fall stimmt, und auch unheimlich „sympathisch“ 2 macht.

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